Evangelische Kirchengemeinde

Rosenthal-Wilhelmsruh

Sonntag, 6. August, 18 Uhr - Rosenthaler Kirchensommer

Vocalensemble „FERROVIA“ (Lettland)
Chormusik aus Lettland – Volkslieder und Musik lettischen Komponisten

Leitung Ferijs Millers

„Singend wurde ich geboren, singend wuchs ich auf, und singend lebe ich mein Leben“ – so heißt es in einem der populärsten lettischen Volkslieder. Die Letten sind ein Sängervolk und Lettland ist „Das Land, das singt“. Dieser Slogan wurde vor rund 10 Jahren ausgerufen. Ein Slogan, der weit mehr ist als eine kurzlebige Werbebotschaft. Das Singen gehört zum lettischen Alltag, Volkes Stimme ist die Singstimme. Eine Umfrage zur Sing-Gewohnheit, erhoben von der Zeitung „Ir“ im Sommer 2013, ergab: 22 Prozent aller Letten singen „überall“ und nur 13 Prozent „nirgends“.

Bemerkenswert an der identitätsstiftenden Musikkultur des Landes scheint die weitreichende Bedeutung ihrer Volkslieder, deren Formgestaltung sowohl in musikalischer als auch textueller Hinsicht immer wieder eine spielerische Melancholie durchschimmern lässt. Dabei schält sich der eigentliche ästhetische Standpunkt der Volksliedkonzeption heraus: eine tolerante Weisheit, ein spürbares Ahnen oder fast schon ein instinktives Wissen um esoterische Urzusammenhänge. Somit erscheint als deutliches Merkmal hierfür eine Abwesenheit jeglicher Extreme hemmungsloser Gefühlswelten. Kaum ein lettisches Volkslied spricht direkte Hass-Gedanken aus, operiert dagegen aber stets mit vielschichtiger Ironie. Die Freude zeigt sich nie im orgiastischen Überschwang. Sie verbleibt stets in den Grenzen des Spielerischen, im Rahmen geistig gelenkter Heiterkeit. Das viel besungene Leid trägt eine persönlich distanzierte Haltung, der niemals das Vertrauen in die erahnten religiösen Zusammenhänge verloren zu gehen scheint. Mag man im kultisch begründeten Wissen um die eigene religiös-philosophische Vorstellung der außerhalb des Lebensraumes existierenden Seelenunsterblichkeit den Grund sehen, so trifft man die kulturelle Haltung des Landes vielleicht am besten. Sie begünstigt, stilistisch gesehen, oft eine gewisse gesunde, die Intimität ausschaltende Abstraktion, die in einem unaufdringlichen hymnischen Zug der Gesamtanlage ihren Ausdruck zu finden pflegt.

Dorfkirche Rosenthal
Eintritt: 5,-- €